Wie kann man Kaninchenbabys von Hand aufziehen?

Kaninchenbabys von Hand aufziehen

Wenn die Kaninchenmutter nach der Geburt krank wird oder stirbt, bleibt der Kaninchennachwuchs verwaist zurück. Was du in diesem Fall tun kannst, um die Jungen per Handaufzucht aufzuziehen, liest du hier.

Gründe für die Handaufzucht von Kaninchenbabys

Achtung: Du solltest in jedem Fall sichergehen, dass die Handaufzucht die letzte mögliche Option ist, denn die Sterblichkeitsrate der jungen Kaninchen ist hierbei deutlich höher als beim Säugen mit natürlicher Muttermilch.

Kaninchenwaisen:

Ist das Muttertier bei der Geburt zu Tode gekommen, hast du meist keine andere Chance, als die Jungen per Hand zu ernähren. Eine Alternative zur Handaufzucht ist es, eine andere säugende Häsin zu finden, die die Funktion einer Amme übernimmt.

Zerstörtes Nest:

Du hast die Kaninchenbabys außerhalb des zerstörten Nestes gefunden? In diesem Fall solltest du zunächst versuchen, an der gleichen Stelle ein neues Nest zu bauen, und beobachten, ob die Kaninchenmutter ihren Nachwuchs weiter füttert.

Unzureichend versorgte Jungtiere:

Werden die Jungen aufgrund unzureichender Milchleistung nicht ausreichend gesäugt (faltige, eingefallene Bäuche) oder entwickeln sich schlecht, kann ebenfalls eine Handaufzucht nötig sein.

Wichtig: Es ist normal, dass einige Babys kleiner sind als andere. Ebenso ist es noch kein Grund zur Besorgnis, dass die Mutter grob mit ihren Jungen umgeht, auf sie springt, etc. Nehmen die Jungen innerhalb von 24 Stunden mindestens ein Gramm zu, ist das Zufüttern von Ersatzmilch mit der Flasche nicht angebracht.

Mutter gibt keine Milch:

Wenn die Häsin direkt nach der Geburt keine Milch gibt – also die Jungen trinken, aber nicht zunehmen – sollten sie trotzdem im Gehege der Mutter bleiben. Häufig wird der Milchfluss erst später (frühestens 24 Stunden nach der Geburt) aktiviert. Sollte sich der Milchfluss auch nach einem Tag nicht einstellen, ist Ersatzmilch nötig.

Herstellung von Milchersatz für Kaninchenbabys

Du hast verschiedene Möglichkeiten, eine Ersatzmilch für ein Kaninchenbaby herzustellen. Wichtig ist, dass du keinen herkömmlichen Milchersatz (zum Beispiel Kuh- oder Kondensmilch) nimmst, da Kaninchenbabys eine sehr nährstoffreiche Milch benötigen. Andere Milchprodukte versorgen sie nur unzureichend mit Nährstoffen. Besonders gefährlich sind die enthaltenen Stabilisatoren und weitere Zusätze.

Die Milch sollte einen Proteingehalt von 12 Prozent und einen Fettgehalt von 16 Prozent haben, das entspricht in etwa Kaninchenmuttermilch. In Frage kommen deshalb folgende Zusammensetzungen, die bei Tierärzt:innen, in der Apotheke oder im Internet erhältlich sind:

  • Ziegen- oder Lämmermilch bzw. Ziegen-/Lämmeraufzuchtpulver
  • Katzenaufzuchtmilch
  • Aufzuchtspulver für Kaninchen (nur im Notfall, da das Pulver nur ca. 9 Prozent Fett und 9 Prozent Protein enthält)

Zubereitung

Beim Anmischen der Milch sowie bei der Fütterung ist auf hygienische Umgebungsbedingungen zu achten. Handelt es sich um Pulver, muss dieses zunächst angerührt werden. Vermische es mit warmem (nicht heißem!) Wasser. Die richtige Temperatur ist in etwa 38°C. Wenn Du ein Tröpfchen der Milch auf der Haut von der Temperatur her nicht spüren kannst, ist sie perfekt für die Kaninchenjungen.

Statt die Dosierung auf der Verpackung zu beachten, mischst du das Pulver dickflüssiger an, damit die Milch mindestens 12 Prozent Protein und 14 Prozent Fett enthält. Bei einer fettärmeren Aufzuchtsmilch kannst du dem Ganzen wenige Tropfen Pflanzenöl beimischen.

Handaufzucht von Kaninchenbabys
Die Handaufzucht von Kaninchenbabys funktioniert zum Beispiel mit Katzenaufzuchtmilch

Die Fütterung der Babys

  • Häufigkeit: Die Häufigkeit der Fütterung der Kaninchenjungen hängt vom Entwicklungs- und Gesundheitszustand der Tiere ab. Kaninchenmütter säugen ihre Babys meist entweder einmal oder zweimal am Tag. Je nachdem sollten die Kaninchen mindestens alle sechs bis sieben Stunden gefüttert werden. Bei kleineren oder geschwächten Kaninchenbabys ist ein Zeitraum von vier Stunden angebracht. Fangen die Kaninchen bereits an, feste Nahrung zu sich zu nehmen, halten sie auch acht Stunden ohne Zufütterung aus.
  • Hilfsmittel: Eine kleine Aufzuchtsflasche oder eine Einwegspritze (aus der Apotheke, 1 Milliliter, ohne Nadel) helfen, den Kleinen die Milch zu verabreichen.
  • Position des Jungtiers: Normalerweise legen sich Kaninchen auf den Rücken, um zu trinken. Wenn jedoch Milch in die Nase und die Lunge gelangt, kann dies eine fast immer tödlich endende Lungenentzündung nach sich ziehen. Deshalb solltest du penibel darauf achten, dass die Milch langsam abgegeben wird und nicht an die Nase kommt.
  • Menge: Wie viel die Kaninchen pro Fütterung zu sich nehmen sollten, sollte ebenfalls vom Gesundheitszustand und der körperlichen Entwicklung der Tiere abhängig gemacht werden. Die Jungtiere sollten sich satt trinken. Dafür bedarf es mindestens eines Milliliters je Mahlzeit.
  • Eingabe: Halte die Spritze ans Mäulchen des Tiers. Sollte es die Ersatzmilch anfangs noch nicht annehmen, kannst du die Spritze vorsichtig seitlich in den Mund einführen und einen Tropfen abgeben.
  • Massage nach der Fütterung: Um die Verdauung anzustoßen, leckt das Muttertier nach der Fütterung den Bauch der Kaninchenbabys. Dies kannst du imitieren, indem du bei den Tieren für mehrere Minuten mit einem Finger sanft den Bauch massierst (in Richtung After). Die Massage ist wichtig, da es andernfalls zu lebensgefährlichen Aufgasungen kommen kann.

Die Unterbringung der kleinen Kaninchen

Am besten bringst du die Kaninchenbabys in einer Plastik- oder Transportschale unter, die mit Tüchern, Heu und Einstreu ausgestattet wird. Schiebe außerdem eine Wärmflasche unter das Nest, um es warmzuhalten. Die Wanne sollte im Dunkeln platziert und zum Beispiel mit einem Tuch luftig abgedeckt werden. Wenn die Babys beginnen herumzukrabbeln, sollten sie in ein kleines Gehege mit Nestbereich umsiedeln.

FAQ – Häufige Fragen

Eine Handaufzucht ist das letzte Mittel der Wahl, da sie gerade für jüngere Kaninchenbabys oft den Tod bedeutet. Die beste Alternative zur Handaufzucht ist eine Kaninchen-Amme, die die eigentliche Mama ersetzt.

Für die Handaufzucht von Kaninchen eignen sich Ziegenmilch bzw. Ziegenaufzuchtsmilch sowie Katzenaufzuchtmilch am besten.

Etwa ab der vierten Lebenswoche beginnt (normalerweise mit dem Rückgang der Muttermilch) die Absetzphase. Die Verdauungsorgane der Jungtiere sind nun so weit entwickelt, dass sie erstmals feste Nahrung zu sich nehmen. Trotzdem benötigen Sie noch eine Weile die Milch, mit sechs bis acht Wochen können sie entwöhnt werden.

Bildquellen:

  • 1. PACO COMO / Shutterstock.com
  • 2. MemoryMan / Shutterstock.com
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